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Tolkiens Gedichte

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29. Okt 2011, 07:58

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 Tolkiens Gedichte
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Titel: Widu
Registriert: 09.2011
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Für manche mag er "Trivialliteratur" geschrieben haben, doch in meinen Augen war er der "Lord der Sprache".
Wie kraftvoll Tolkiens Wortnmelodien selbst noch in der Übersetzung klingen, mag man an folgendem Beispiel ermessen:

Drachen:

Die Sonne war jung und neu der Mond,
von Göttern Himmel und Erde bewohnt.
Die Götter waren der Erde hold
und sangen und schenkten ihr Silber und Gold,
Silber sprühten sie über die Wiesen,
ließen die Bäche von Gold überfließen.

So war es, eh' unter grünem Plan
Grube und Abgrund sich aufgetan.
Eh' Zwerg oder Drache ins Dasein trat,
wandelten Elben auf lichtem Pfad,
beherrschten Lande und blaue Lagunen
und Meere mit guten Zauberrunen,
schufen auch viele köstliche Dinge,
Elbenkronen und Herrscherringe.Bild
Doch kam ein Tag: Ihre Zeit war um,
die Lieder verdorrten, dieWelt ward stumm,
erobert vom Eisen, vom Stahl geknechtet,
die Freude erschlagen und entrechtet.
Gier hielt Einzug und herrschte hinfort,
die kein Ding schuf, nur häufte zum Hort;
die nichts verschenkte, nur nahm und nahm,
bis der Schatten fiel und Finsternis kam.

In düsterer Höhle ein uralter Zwerg
saß und bewachte den Schatz im Berg.
Er dachte nur mehr an Silber und Gold,
das er immer und ohne Maß gewollt.
Am Amboß hatte er Tag und Nacht
Münzen geschlagen und Ringe gemacht,
zur Zierde nicht, sondern nur für's Versteck;
er häufte sie dort für den großen Zweck:
Kaufen wollte er Krone und Macht -
bis er sich fast um alles gebracht,
denn er grub mit Händen und Fingern danach,
bis die Hand verdorrte, der Finger brach.
Sein Blick wurde matt, er hörte nicht mehr,
seine Haut wurde rissig, sein Hirn wurde leer,
seinen fühllosen Fingern entglitten Juwelen,
ungezählte, beim täglichen Zählen.
Weder rasselnde Tritte noch Dröhnen vernahm
er, als der junge Drache kam,
Bild
seinen Durst zu löschen am sprudelnden Quell.
Dessen Wasser aber verdampfte schnell,
Flammen beleckten den feuchten Grund,
der Zwerg verkohlte vorm Drachenschlund,
zerfiel zu Asche, verdarb allein
bedeckt von Schutt und bröckelndem Stein.

Im Berg ein uralter Drache lag
in finsterer Höhle Nacht wie Tag.
Sein Auge blinzelte trüb und rot,
Jugend und Freude waren tot.
Verhornt und verknöchert liebte er doch
den Hort, den heimliche, immer noch,
und bewachte wie eh und je sein Hab
und Gut - und sein Feuer nahm ab und ab.
Am schleimigen Bauch klebte Edelstein
an Edelstein - und sie waren sein
wie Silber und Gold, das er beroch
und täglich beschnupperte noch und noch!
Er wußte, wo selbst der simpelste Ring
unter der schwarzen Schwinge hing,
Bild
und grübelte stets über Räuber und Diebe,
die er schlagen wollte mit einem Hiebe,
träumte auf seinem harten Bett
von lebendigem Fleisch und triefendem Fett,
von zermalmten Knochen, blutigem Trank.
Sein Ohr erschlaffte, sein Atem sank...
Waffen klirrten! Er hörte es nicht.
Eine Stimme rief wie zum Gericht,
und ein junger Krieger trat bewehrt
vor den Uralten hin mit langem Schwert.
Des Drachen Zähne, noch messerscharf,
nütztem ihm nichts: Der Krieger warf
seinen Speer nach ihm, und das Schwert durchhieb
seinen Rumpf. Er starb. Und das Eisen blieb.

Ein uralter König saß auf dem Thron,
schneeweiß wallte der Bart ihm schon
bis über die Knie; er schmeckte nicht mehr
weder Speise noch Trank, er atmete schwer,
taub war sein Ohr; bei Tag und Nacht
hatte er nur des einen gedacht,
seiner Eichentruhe, der reich geschnitzten,
von Eisenbeschlägen trefflich geschützten:
Sein Gold und Silber lag drin verwahrt,
mit Blut erkauft, unter Opfern gespart.
Bild
Doch die Waffen der Wächter wurden stumpf,
von Rost zerfressen, ihr Klang ward dumpf,
und Unrecht nahm überall im Land
nur zu und zu und überhand.
Die Hallen leer, die Säle kalt -
aber das Gold war in seiner Gewalt!
Er hörte nicht den Hörnerklang,
der vom Bergpaß zu ihm herunterdrang,
roch nicht das oben vergossene Blut
im zertrampelten Gras in der Mittagsglut...
Seine Hallen stürzten, das Königtum
ging kampflos unter und ohne Ruhm.
In die Tiefe warf man, achtlos zerbrochen,
sein mürbes Gebein zu anderen Knochen.

Liegt ein Schatz unter eisengrauem Basalt,
vergessen längst und ur-uralt
hinter Tür und Tor, und niemand weiß,
wie man sie öffnet, auf wessen Geheiß.
Seltsam, über dem alten Gelaß
weiden Schafe das grüne Gras,
Lerchen steigen und Winde wehn,
Nacht verhüllt, was vorzeiten geschehn,
finsteres Unrecht und schwere Strafen.

Die Erde wartet, die Elben schlafen.
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29. Okt 2011, 08:54

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 Re: Tolkiens Gedichte
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