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Hesse und der Schwarzwald

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14. Jun 2009, 16:45

 Hesse und der Schwarzwald
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Die Bilder habe ich aus einem Prospekt der Gemeinde Baiersbronn.

Da der Text auf dem Bild oben unleserlich ist, hier:

Schwarzwald

Seltsam schöne Hügelfluchten,
Dunkle Berge, helle Matten,
Rote Felsen, braune Schluchten,
Überflort von Tannenschatten.

Wenn darüber eines Turmes
Frommes Läuten mit dem Rauschen
Sich vermischt des Tannensturmes,
Kann ich lange Stunden lauschen.

Dann greift wie eine Sage,
Nächtlich am Kamin gelesen,
Das Gedächtnis mich der Tage,
Da ich hier zu Haus gewesen.

Da die Fernen edler, weicher,
Da die tannenforstbekränzten
Berge seliger und reicher
Mir im Knabenauge glänzten.


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14. Jun 2009, 21:41

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3. Jul 2009, 08:56

 Hesse und das Schwabenland
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Gestern war Hesses Geburtstag. Aus diesem Anlass las ich heut Nacht die Nürnberger Reise.

Hier ein Auszug, der in Blaubeuren spielt.

Hermann Hesse, aus der Nürnberger Reise
Man halte mir zugute, daß ich so viel überflüssige Zeit habe und von einem ins andre gerate, ich werde sofort zu meinem Thema zurückfinden. Oder sollte dies nicht gelingen, so frage man sich: kann es denn von Wichtigkeit sein, was ein Mensch wie ich über eine Reise zu erzählen hat, ein Mensch, der die Eisenbahn ablehnt und dennoch benützt, der müßiggängerisch, auf beständiger Lauer nach Zerstreuungen und Spielereien, seine Tage vertrödelt, der sich zu einer Vorlesung einladen läßt, während er über diese Tätigkeit äußerst skeptisch denkt, und dem die Ablehnung und Verspottung des ernsten, wirklichen, modernen, tüchtigen, arbeitsamen Lebens zu einer' Art von leidigem Sport geworden ist? Nein, es kann keineswegs von Belang sein, was solch ein Romantiker über eine Reise zu sagen hat, und wer dem Hanswurst nun schon ein- mal zuhören mag, der tue es auf die Gefahr hin, daß der Hanswurst, nach Art der Humoristen, sein angebliches Thema beständig wieder aus dem Auge verliert und mühsam suchen muß. Möglich, daß er eine Art von Humorist ist, und die Humoristen haben, sie mögen schreiben, was immer sie wollen, alle ihre Überschriften und Themata stets nur zum Vorwand, in Wahrheit haben sie alle und immer nur ein einziges Thema: die wunderliche Traurigkeit und, man erlaube den Ausdruck, Beschissenheit des Menschenlebens und das Staunen darüber, daß dies jämmerliche Leben trotzdem so schön und köstlich sein kann.
...
Nun war es leicht, den Ort zu verlassen; ich kaufte mir ein Butterbrot, fand meinen Siamesenkoffer an der Bahn und stieg zufrieden in den Zug, einen überfüllten Sonntagszug, der in das schöne Donautal hineinfuhr. Bei hellem Sonnenschein sah ich Beuron und sah Werenwag liegen, war voll Begierde, auszusteigen und diese verlockenden Orte näher zu beschleichen, wußte aber den Freund in Blaubeuren, schon durch mein gestriges Ausbleiben enttäuscht, heftig auf mich warten und tat mir Zwang an. Der Zug fuhr in tiefen Nebel hinein, bei irgendeiner Talbiegung war plötzlich Blau und Sonne abhanden gekommen, kaum konnte ich die Ortsnamen an den Bahnhöfen entziffern. Grau und neblig war es auch im Blautal, wo ich noch am frühen Nachmittag ankam. Da kam, um eine Minute verspätet, mein lieber Freund auf der breiten nüchternen Straße dahergelaufen, die in das kleine Blautal hinein und zu den Geheimnissen Blaubeurens führt, von denen sie den Ankommenden nichts ahnen läßt. Da standen wir und sahen einander in die Gesichter, die mit den Jahren nicht hübscher geworden waren, und ich glaube, wir hatten beide eine tiefe und aufrichtige Freude. Für mich wenigstens, der ich seit zwanzig Jahren stets fern von meiner Jugendheimat lebe, hat es etwas außerordentlich Angenehmes und Erwärmendes, je und je einmal zu sehen, daß es in der Tat noch einige Menschen gibt, die mit mir Knaben gewesen sind, mich bei meinen Schülerspitznamen gerufen haben, und denen ich nichts vormachen kann. Und wie rührend und lächerlich ist das jedesmal festzustellen, daß die Menschen, die man in der frühen Jugend gekannt hat, sich gar nicht verändern! So war es mit meinem Freunde.
Unsre Freundschaft stammte aus der Zeit, da wir vierzehnjährig waren, und mit seinem damaligen Knabengesicht lebte er in meiner Vorstellung, und wenn er jetzt mit dem besorgten Schritt eines Professors einhergeht und einen großen Schnurrbart und" etwas müde Wangen und beginnendes Grau in den Haaren hat, so kann dies alles mich nicht täuschen noch mir imponieren, er wird bis zum Grabe mein Schulkamerad und ungefähr fünfzehn Jahre alt für mich sein, und ich wohl auch für ihn. Dies wieder festzustellen tat wohl, und in guter Stimmung marschierten wir die nüchterne Straße taleinwärts, sogleich mitten im Gespräch, und kamen unvermerkt in ein köstliches Städtchen voll nachdenklicher alter Häuser mit Fachwerkgiebeln und wohlhabenden Dächern und aus diesen wieder heraus in den stillen Klosterbezirk. Da fiel mir nun plötzlich die schöne Lau wieder ein, ich erinnerte meinen Freund an ihre Geschichte und an ihr steinernes Bad im Nonnenhofkeller und sagte ihm, diesen Keller und dies Bad zu sehen sei mir das Wichtigste an Blaubeuren und er möge mich zu guter Stunde dahin führen. Aber mein Freund wußte nichts von dem Keller und Bad, und auch ich wurde nun zweifelhaft, ob das nicht bloß eine hübsche Erfindung von Mörike sei. Darüber trafen wir einen Mann an, und siehe, es war der Hausmeister des Klosters, der zugleich Kustos und ein sorgfältiger Behüter und Kenner der Kostbarkeiten von Blaubeuren ist. Dem erzählte ich nun mein Anliegen, schilderte ihm die Situation aus Mörikes Geschichte genau, und da wurde sein Gesicht hell. Jawohl, diesen Keller gab es, und ein unterirdischer Wasserlauf verband ihn mit dem Blautopf, und sobald er Zeit habe. werde er mich hinführen. Wir verabredeten eine Stunde auf morgen, und nun traten wir ins ehemalige Kloster ein, in dem mein Freund wohnt, wurden von der Hausfrau empfangen und sogleich zu einem Mittagessen geführt, mit dem sie auf mich gewartet hatten. Ein schwäbischer Kartoffelsalat und ein schöner leichter Besigheimer Wein, und nun erst war ich in Schwaben, war in der Heimat, sprach selber wieder schwäbisch, war nicht mehr ein durchreisender Herr, sondern ein Bruder, war nicht mehr ein blöder Einsiedler, sondern wurde hin und her gefragt und mit Berichten bedient, über Mitschüler, einstige Lehrer, ihre Söhne, ihre Töchter. Den Sohn meines gewesenen Lateinschulrektors traf ich als Professor hier am Kloster wieder, ein andrer Schulkamerad wurde morgen erwartet, er war Landpfarrer und hatte einen Sohn hier in der Schule. Ich sah meinem Gastgeber zu, wie er bedächtig aß und seinen großen Schnurrbart wischte und mit seiner Frau sachlich-würdige Worte sprach und kleine Falten um die Augen hatte, aber es half ihm alles nichts, er war der Knabe Wilhelm für mich.
Zwei Tagehabe ich mich in Blaubeuren aufgehalten, in einem architektonisch schauderhaften, mir aber sehr lieb gewordenen neueren Anbau des Klosters.
...
Schön und wichtig war unser erster Gang an den Blautopf, unter den Bäumen auf dem märchenhaften Wasser schwamm gelbes Laub, Wehr und Bach voll von Gänsen und Enten, tief im Grunde saß die schöne Lau und lächelte bläulich herauf, einsam und hoffnungslos stand daneben das rührend drollige Denkmal eines früheren Königs. Alles roch nach Heimat, nach Schwäbisch, nach Roggenbrot und Märchen, und wie- der einmal war es mir wunderlich, wie sehr wenig diese wunderbar lebendige und höchst besondere Landschaft von den neuern deutschen Malern gekannt ist. Überall war die Lau verborgen, überall duftete es nach Jugend und Kindheit, Träumen und Lebkuchen und nicht minder nach Hölderlin und Mörike, und daß keine Denkmäler von ihnen dastanden, konnte ich nicht bedauern. Es war begreiflich, immer hatten die Schwaben mehr Dichter als Könige gehabt.
Und unser Gang in den Nonnenhofkeller! Durch eine alte Treppe und ein dämmerndes Vorgewölbe führte uns unser Führer in einen hohen, fest und schön gemauerten Keller, zeigte uns die Himmelsrichtungen, zeigte uns, von woher der unterirdische Wasserlauf kam, und als ich nicht mehr warten konnte und nach dem Bade fragte, da leuchtete er mit der Taschenlampe in eine Ecke des feierlichen Raumes, und es enthüllte sich eine dieser gewohnten Rohheiten, nämlich ein zementierter Fleck, noch ziemlich neu, Zementglattstrich, und hier war also das Bad der Lau! Unter diesem verfluchten Zementflecken quoll das geheimnisvolle, kühle Wasser, in dem die Schöne geschwommen war, bis an die Brust im Wasser schwebend! Zum Glück hatten diese Baukünstler wenigstens ein rundes Loch im Zement gelassen, bedeckt mit einem ebenfalls zementenen Deckel, den wir abhoben, und da schimmerte nun im schwachen Lichtstrahl das schwarze Wasser leise herauf, bis wir schweigend das Loch wieder zudeckten, wie man eine geschändete Leiche zudeckt.
Wir sprachen nicht darüber, ob denn nun wirklich die Schwaben und anderen Menschen von heute ganz von den Göttern verlassen sind, ob sie wirklich nicht wissen, was sie an der Lau und an Mörike und an allen.diesen Wundern haben, an denen kein deutsches Land so reich wie Schwaben ist.


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25. Jul 2012, 09:17

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 Re: Hesse und der Schwarzwald
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Und wer kennt Calw? :wiwi

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25. Jul 2012, 09:58

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 Re: Hesse und der Schwarzwald
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Wir sind am Wochenende durch Calw gefahren, auf dem Weg nach Baden-Baden...

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25. Jul 2012, 10:33

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 Re: Hesse und der Schwarzwald
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Wo zum Geier ist Calw?

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25. Jul 2012, 11:14

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 Re: Hesse und der Schwarzwald
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billy hat geschrieben:
Wo zum Geier ist Calw?


Calw liegt im Nordschwarzwald...

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25. Jul 2012, 11:33

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 Re: Hesse und der Schwarzwald
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billy hat geschrieben:
Wo zum Geier ist Calw?



Frau Google ist dein Freund.

Hesse ist dort geboren, übrigens.

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