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Schauerkerzen, auch Wetterkerzen oder Gewitterkerzen genannt

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8. Jul 2016, 10:03

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 Schauerkerzen, auch Wetterkerzen oder Gewitterkerzen genannt
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Schauerkerzen, auch Wetterkerzen oder Gewitterkerzen genannt

Zitat:
Schauerkerzen, auch Wetterkerzen oder Gewitterkerzen genannt, sind gesegnete Kerzen, die im Brauchtum zum Gebet angezündet werden, um bei nahendem Unwetter Schäden und Blitzeinschläge abzuwenden. Das Brauchtum ist heute vorwiegend im Voralpen- und Alpengebiet verbreitet.

Je nach örtlichem Brauch gibt es sowohl schwarze als auch weiße Wetterkerzen. Zuweilen werden beide Varianten an einem Ort und mit denselben Abbildungen im Devotionalienhandel angeboten. Die Kerzen werden häufig an Wallfahrtsorten verkauft und sind mit einer Abbildung des jeweiligen Gnadenbildes (oft der Gottesmutter oder der hl. Anna) oder Abbildungen des Wallfahrtsortes versehen, gelegentlich auch mit Anrufungen bestimmter Heiliger oder Teilen des Wettersegens. Daneben werden aber auch schlichte Kerzen verwendet.



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Bei uns zuhause wurde früher auch solch eine Kerze angezündet bei Gewitter.

Wer kennt diesen Brauch auch?

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7. Okt 2016, 21:56

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 Re: Schauerkerzen, auch Wetterkerzen oder Gewitterkerzen genannt
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Jene Gewitterkerzen hatten gewöhnlich die Form eines Wachsstockes: :torte

Zitat:
Ein Wachsstock stellt eine heute kaum noch gebräuchliche, sehr dünne Sonderform der Kerze dar, der als kranzförmig o.ä. zusammengewickelte Meterware im Handel war und auf speziellen Wachsstockhaltern benutzt wurde. Da er aufgrund des recht unausgewogenen Docht-Wachs-Verhältnisses leicht rußte, war es sinnvoll, immer eine Dochtschere zur Hand zu haben.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Begriff generell als Synonym für Kerze gebraucht; auf lateinisch heißt der Wachsstock cereostata, woraus sich der heute übliche Begriff Kerze herausgebildet hat.

In Wallfahrtsorten gibt es mancherorts noch heute ein reichhaltiges Angebot solcher schnurförmiger Kerzen als kunstvoll ausgestaltete Devotionalie, z.B. mit einem aus Wachs modellierten und bemalten Porträt des örtlichen Heiligen verziert. Sie dienen weniger dem Gebrauch, denn als Wallfahrtserinnerung und Schauobjekt für den heimischen Herrgottswinkel.

Vor allem im katholisch geprägten süddeutschen und österreichischen Raum gab es früher den Brauch, zu Maria Lichtmess (2. Februar) der Braut, den Töchtern und auch den weiblichen Dienstmägden Wachsstöcke zu schenken. Diese Lichtmess-Wachsstöcke wurden, da es damals noch kein elektrisches Licht gab, in der dunklen Jahreszeit zur Morgen- und Abendandacht in die Kirche mitgenommen und dort angezündet, um im Gesangbuch lesen zu können.

Als Ausgangsmaterial für Wachsstöcke dient neben Wachs auch Paraffin oder eine Mischung aus Wachs, Talg, Fichtenharz und Terpentin.



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9. Okt 2016, 20:12

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 Re: Schauerkerzen, auch Wetterkerzen oder Gewitterkerzen genannt
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Über das Wetterläuten zur Abwehr von Gewittern: :)

Zitat:
Eine durch Unwetter oder Hagel zerstörte Ernte konnte die wirtschaftliche Existenz eines Bauernhofes gefährden. Um sich selbst und die Ernte zu schützen, gab es eine Vielzahl an religiösen Abwehrmaßnahmen, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind. Eine davon ist das Wetterläuten.

Bei einem drohenden Gewitter musste vom Pfarrer oder vom Mesner genau zum richtigen Zeitpunkt die Kirchenglocke geläutet werden, damit sich das Unwetter nicht über dem Ort entlud. Als Dank bekam er von den Bauern die sogenannten „Läutergarben“, die aus verschiedenen Getreidegarben, wie Weizen und Hafer, bestanden.

Es gab aber immer wieder Bedenken gegen diesen Brauch. So kam es vor, dass zum Beispiel im Jahre 1709 der Mesner von Bergheim die Glocke schon wegen jeder größeren Wolke läutete, auch in der Nacht, was von vielen als Lärmbelästigung empfunden wurde. Die Bauern beschlossen, die „Wetterläut-Garben“ zu verweigern, und es kam zu Unstimmigkeiten und Streit.

Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Aufklärung, wurde unter Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo eine ganze Reihe von Verordnungen erlassen, die dieses religiöse Brauchtum als finsterer Aberglaube verbot. Man sagte, dass das Geläute Gewitter und Blitze eher anziehen als vertreiben würde. Auf Grund einer Reihe von Berichten über verletzte und getötete Menschen sowie beschädigte Kirchtürme sah man sich in dieser Meinung bestätigt.

Ebenso wurde das Wetterschießen, ein weiterer Brauch, um Unwetter abzuwehren, unter Androhung hoher Geldstrafen und sogar von Gefängnis, verboten. Gegen diese Verbote formierte sich allerdings bald energischer Widerstand, sowohl von Seiten der Bauern als auch von Seiten der geistlichen und weltlichen Obrigkeiten. Ein Ansuchen um Aufhebung der Verordnungen beim Erzbischöflichen Hofrat wurde abgelehnt. Es gelang aber trotzdem nicht, diese lärmverursachenden Bräuche abzuschaffen.

Erst im 19. Jahrhundert erkannte man, dass nicht das Läuten, sondern die Höhe der Kirchtürme schuld an den häufigen Blitzeinschlägen war. Somit wurde das Verbot aufgehoben.

In zahlreichen Salzburger Gemeinden wurde der Brauch des Wetterläutens bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts beibehalten.
Auf vielen Bauernhöfen wurde auch die Essglocke als Wetterglocke verwendet.
Weitere Bräuche zum Abwehren von Unwettern waren das Aufstellen von Wetterkreuzen, das Anzünden von Wetterkerzen und die Anrufung bestimmter Wetterheiliger.


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