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Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer

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25. Apr 2010, 16:02

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Bert suchte weiterhin täglich irgendwelche Botschaften und großen Firmen auf um unsere Limousinen zu vermieten.
Da kam ein Anruf aus Großbritannien. Der Chef von EURO DOLLAR kündigte seinen Besuch an. Herr Nabil war sichtlich beunruhigt. Mit dieser Visite hatte er offensichtlich nicht gerechnet.
Binnen fünf Tagen musste ein Extra Büro geschaffen, eine exklusive Sightseeing -Tour mit Fahrt auf dem Nil und Besuch der Pyramiden organisiert sowie die Autos auf Hochglanz poliert werden. Wenn möglich sollten auch noch ein paar lukrative Abschlüsse von der schlechten Auftragslage ablenken.

Bert wurde mal kurz vom Supervisor zum Sales Manager befördert.
Nun bekam er ein Büro im Haus gegenüber. War jetzt etwas näher an der Papierversorgung dran.
Auch eine Sekretärin hatte er. Das Problem war nur, dass sie weder mit einem Computer umgehen konnte, noch englisch sprach. Jedes Mal wenn sie einen neuen Brief schrieb, dann öffnete sie eine neue Datei. Und was ganz besonderes an ihrer Art mit dem PC umzugehen war, sie klapperte da mit der arabischen Tastaturbelegung herum. Was man nun wirklich nicht als effektiv bezeichnen konnte.
Ich glaube, wenn sich jemand bei ihm vorstellte, dann nahm er die betreffende Person, ohne überhaupt irgendein Können zu testen. Klappte es nicht, so wurde halt gefeuert. Nur was da inzwischen an Schaden entstanden war, das bedachte er bei diesem System anscheinend nicht. Also schrieb Bert seine Briefe selbst.
Ich versuchte noch mal Nabil darauf aufmerksam zu machen, dass es doch wesentlich effektiver wäre, wenn ich da im Büro säße. Obwohl es mich im Prinzip nicht wesentlich reizte mit Bert zusammen zu arbeiten.
Er war ziemlich speziell.
Aber es war nichts zu machen. Der Chef bestand auf der ägyptischen Sekretärin.

Als nächstes bekam das Büro einen Anstrich. Dafür wurden ein paar Leute mit Pinseln und Quasten versehen und jeder strich nun wie er wollte kreuz und quer die Wände entlang. Danach kam Madame Sekina (Messer)zum Einsatz. Sie sollte die Wände vor dem Anstrich etwas säubern. Verstand aber ihren Auftrag falsch und wischte mit einem feuchten Lappen die frische Farbe wieder ab. Ich saß inzwischen untätig in dem Großraumbüro.

Bert rief mich im Büro an und forderte mich auf ihn von diesem entsetzlichen Weib zu befreien. Ich konnte ihn mir in dieser Situation sehr gut vorstellen. Exzentrisch und egozentrisch wie er war, brüllte er den Leuten bestimmt Dinge um die Ohren, mit denen sie gar nichts anzufangen wussten.
Er hatte wohl versucht, Madame Sekina von dieser Tätigkeit abzubringen, sie machte aber nur was ihr Chef ihr aufgetragen hatte. Und Bert verstand und sprach kein arabisch.
Endlich kam die Madame völlig aufgelöst zu uns ins Büro und meinte weinend, Allah solle sie behüten vor einem weiteren gemeinsamen Arbeiten mit diesem verrückten Ausländer.
Der Chef bestellte Bert zu sich ins Büro zwecks Klärung der Situation. Mein Mann solle nicht die Frau anschreien.
Der einzige Lichtblick war nur noch die Freude auf die Stadtbesichtigung mit dem Engländer. Was auch wirklich ohne Zwischenfälle funktionierte.
Mein Partner konnte nur mit Leuten umgehen, die auf seinem geistigen Level standen.
Alles andere wurde zur Katastrophe. Auch ich hatte damit so meine Probleme. Ich war ständig genötigt ganz kluge Antworten auf ganz kluge Fragen zu geben, die ich nicht verstand.
Das war äußerst anstrengend.

Unsere Freizeit verbrachten wir meist im nahe gelegenen Goethe -Institut beim Lesen der deutschen Tageszeitungen. Nach Einbruch der Dunkelheit bummelten wir oft durch die Stadt. Holten uns etwas von irgendeinem Imbiss zu essen, denn wir konnten keine Hackfleischröllchen und auch keine Spaghetti mehr sehen. In einer Konditorei, die gegenüber von unserer Bleibe lag, gab es leckeren französischen Kuchen und Gebäck. Kontakte zu anderen Gästen unseres Hotels fanden wir kaum denn es waren alles nur Touristen, die ein, zwei Tage in Kairo blieben und dann weiter reisten.

Aber aus der Volksrepublik China war ein Ingenieur in Begleitung zweier Aufpasser angekommen. Er sprach sehr gut englisch und seine Firma machte Geschäfte mit STARCO. Die Chinesen waren sehr nett nur versuchten wir ihnen während der Mahlzeiten aus dem Wege zu gehen denn sie schmatzten furchtbar.

An einem der nächsten Tage machte ich dann die Bekanntschaft eines Mannes, der uns endlich aus diesem Dilemma herausbringen würde.
Seit fünf Monaten saßen wir nun schon in dieser Firma fest. Ich hatte nichts aber gar nichts zu tun. Bekam dafür das meiste Geld, was mir bei den monatlichen Auszahlungen schon peinlich war. Und Bert wusste nicht was er zuerst machen sollte.
Er hatte jeden Tag Stress mit dem Arbeitgeber.
Eine Arbeitserlaubnis hatten wir immer noch nicht bekommen. Die kostete viel Geld. Außer man hatte Beziehungen. Eigentlich musste Herr Nabil die haben, denn er war mit dem Minister für Tourismus befreundet.
Also hatte er überhaupt nicht die Absicht uns eine Arbeitserlaubnis zu besorgen.
Unser Tourismus - Visum war abgelaufen und so machten wir uns wieder mal auf den Weg zur "Mogamma".
Durch den Eingang liefen Männlein und Weiblein getrennt. Falls jemand durchsucht werden müsste.
Vor dem Visa- Schalter gab es drei Reihen für das Formular. Arabisch - Englisch - Französisch. Ich holte uns zwei am englischsprachigen Schalter. Wir stellten uns an einen Tisch, an dem mehrere Ägypter mit Europäern standen. Sie waren den Ausländern irgendwie behilflich. Bert füllte die Zettel aus und ich sagte ihm immer was er ausfüllen musste und was nicht. Er meinte ein paar Mal das Wort "ist gut". Die Ägypter guckten beim ersten Mal sehr verwundert, irgendwann schon ganz böse. Ich sagte zu meinem Mann er solle dieses Wort nicht mehr erwähnen. "Wieso???"
Weil "Isskut" in arabischer Sprache soviel wie "Halts Maul" heißt.


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25. Apr 2010, 21:48

 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Au weia! Also sehr angenehm war die Arbeit nicht für dich :(. Ich glaube fast, du hast dich nach der Hühnerzucht in Shibin gesehnt :), zumindest musstest du dich nicht mit seltsamen Menschen herumärgern... Mal sehen, wie ihr aus der Situation kommt, da bin ich schon gespannt!


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26. Apr 2010, 16:17

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Unser Empfangsbüro war mal wieder voll gestopft mit Leuten, die ein Anliegen hatten, und da stundenlang warten mussten. Da stand ein älterer Herr auf, kam zu mir an den Schreibtisch und fragte mich, was ich denn für eine Nationalität hätte. Als ich sagte, dass ich Deutsche wäre, freute er sich und sprach nun deutsch mit mir weiter. Er war vor Jahren mal als Austauschstudent nach NRW gekommen und hätte dort deutsch gelernt.

Ich erzählte ihm nun einfach unsere Geschichte und dass wir ja eigentlich irgendwo im Tourismus am Roten Meer arbeiten wollten.
Er tat sehr interessiert. Und nun erzählte er mir von einem Freund, der hier in Kairo ein Reisebüro hatte und für Ausländer Reisen auf den Sinai zum Katherinenkloster organisierte. Er bräuchte dringend jemanden der so was professionell in die Hände nehmen konnte. Ich horchte auf. Das war doch genau das, was Bert suchte? Nicht umsonst hatte er in Berlin ein paar Jahre ein Reisebüro für Individualtouristen geleitet.
Der nette Herr versprach mir sich mit seinem Freund kurz zu schließen und mit mir einen Termin auszumachen, wo wir uns alle treffen könnten und weiteres bereden würden. Das konnte nicht in unserem Hotel sein, denn dort hatte Herr Nabil seine Späher ausgesandt. Auch auf der Strasse begegneten sie uns mittlerweile ab und zu. Aber es würde mir schon was einfallen. Als ich abends Bertram davon erzählte war der so froh, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte.




Eines Tages kam der nette Herr Ibrahim wieder mal zu uns in die Firma. Er hatte im Namen seines Freundes etwas mit Herrn Nabil zu besprechen. Natürlich war dies nur vorgetäuscht. Denn er musste ja einen Grund haben, mit mir zu reden.

So wartete er ein paar Stunden auf meinen Chef und nutzte so die Gelegenheit Zeitpunkt und Ort für eine Verabredung mit mir in deutsch zu besprechen.
Er erzählte mir, dass der Freund sehr interessiert an einer Mitarbeit Bert wäre.
So verabredeten wir, dass wir uns alle am nächsten Tag um 18.00 Uhr im Restaurant des NILE HILTON treffen würden. Am nächsten Morgen waren Bertram und ich schon ganz aufgeregt. Was würde dieses Gespräch für unsere weitere Zukunft bedeuten?

Der Feierabend nahte und Bertram hatte auch wirklich pünktlich Geschäftsschluss. Nur ich, die den ganzen Tag dort nur Däumchen drehte, kam nicht weg. Es kam ein Brief von der Firma MERCEDES BENZ aus Deutschland. Es ging um den Versand von Vergasern. Herr Nabil wollte jetzt von mir, dass ich um eine nähere Detailbeschreibung irgendwelcher Teile anfragte. Was er meinte, erklärte er mir in englischer Sprache.
Ich konnte kein Handelsenglisch und ich besaß auch keinen Führerschein. Ich wusste gerade mal wo bei einem Auto der Vergaser saß. Wie sollte ich da dieses Schreiben übersetzen und beantworten?
Ihm war das egal. Ich sollte mir den Text aus irgendwelchen Unterlagen zusammenbasteln.
Ich saß da wie auf glühenden Kohlen. Ich wollte doch weg. Musste doch pünktlich im Hotel sein. Nabil war gnadenlos. Als die Uhr auf 17.30 Uhr vorrückte, nahm ich den Brief und den Ordner, stürmte ohne Anmeldung in sein Büro, schmiss ihm den Aktendeckel auf den Schreibtisch und sagte ihm, dass ich ihm mehrere Male erklärt hätte, dass ich das nicht konnte, was er von mir verlangte. Und jetzt würde ich gehen.
Daraufhin brüllte er mich an, ich wäre entlassen.

Das war mir im Moment auch egal. Über die Konsequenzen machte ich mir da noch keine Gedanken. Ich nahm im Sturm die Treppe anstatt des Fahrstuhls. Mehrere Kollegen rannten hinter mir her aber sie erwischten mich nicht mehr. Ich nahm die Beine in die Hand und erreichte auf Umwegen das NILE HILTON.
Bertram war schon am verabredeten Tisch im Gespräch mit Herrn Ibrahim und seinem Freund Herrn Fuad.
Ich sagte meinem Partner erst einmal nichts von meinem Rausschmiss. Ich wollte erst sehen, was das Gespräch uns brachte.
Ich bin immer sehr umgänglich. Jedoch, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, so setze ich das durch.


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26. Apr 2010, 18:39

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Ich bin immer sehr umgänglich. Jedoch, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, so setze ich das durch.

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26. Apr 2010, 19:00

 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Tja, du ließest dich aber kein bisschen von deinem Chef einschüchern :). Ich hoffe nur, dass ihr zwei den neuen Job bekommt!


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26. Apr 2010, 19:14

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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MB, muss ich jetzt angst vor dir bekommen, dass du mich auch auf die Straße setzt??? :-D

Spaß beiseite, ich hoffe auch sehr, dass ihr den neuen Job bekommt. :zumwohl

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26. Apr 2010, 19:23

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Herr Fuad wollte Bert von heute auf morgen einstellen, aber das ging nicht so einfach. Als wir abends wieder in unserem Hotelzimmer waren, erzählte ich meinem Mann von dem Rauswurf.
Er machte sich nun große Sorgen und hatte Angst vor dem morgigen Tag im Büro. Am nächsten Tag rief Herr Nabil im Hotel an und forderte mich auf sofort in die Firma zu kommen.

Er hatte inzwischen die Rezeptionisten beauftragt mein Kommen und Gehen zu beobachten. Ein netter Kellner, der uns sehr mochte und auf unserer Seite stand, (er war schwul und hatte dadurch enorme Probleme)sagte mir, dass wir hier nicht so einfach aus dem Hotel kämen, sollten wir mal kündigen.

Von einem anderen Ausländer hätte der Chef bei der Kündigung Geld für Kost und Logis über den gesamten Zeitraum zurückverlangt über den er in dem Betrieb beschäftigt war.
Natürlich sollten wir damit nur eingeschüchtert werden. Geheuer war mir der Nabil nicht aber was sollte er uns tun? Uns anzeigen? Gut, wir arbeiteten bei ihm unerlaubter Weise ohne Arbeitserlaubnis. Er hatte uns aber ohne diese Genehmigung beschäftigt. Das war ebenso strafbar. Ich ging nicht mehr in die Firma, erzählte dem Mann an der Rezeption, ich ginge in`s Goethe Institut und verließ das Haus.
Ich wollte zu Herrn Fuad in`s Reisebüro. Ich wollte ohne Bert mit dem Mann über unsere missliche Situation reden.




Ich kannte ja die orientalische Mentalität sehr gut und wusste, dass Männer immer sehr hilfsbereit Frauen gegenüber waren. In Gegenwart von Bert hatten wir ja alle miteinander englisch gesprochen. Wenn ich nun mit ihm arabisch redete, dann bekamen meine Worte einen ganz anderen Sinn. Viel weicher und Hilfesuchender. Arabisch ist eine sehr gefühlvolle Sprache. Mir hat mal ein Professor gesagt, dass man Goethe, Schiller und die anderen deutschen großen Dichter so gut in`s Arabische übersetzen könne und umgekehrt auch die alten arabischen Dichter und Denker in`s Deutsche.
Um eventuelle Verfolger abzuschütteln, wechselte ich vom Bus in die Straßenbahn und von der Tram in einen Minibus.

Das Reisebüro lag im Stadtbezirk MEDINET NASR. So ziemlich am anderen Ende Kairos.
Ich hatte Glück. Herr Fuad saß in seinem Geschäft. Er freute sich über mein Kommen und bot mir sofort nach Art der Menschen hier Tee und Cola an und schickte einen jungen Mann zum nächsten Imbiss um mir ein paar belegte Brote bringen zu lassen.
Er kannte die Situation sehr gut in der Firma STARCO, wusste wie der mit seinen Angestellten umging. Aber meinte er, Herr Nabil wäre ein sehr mächtiger Mann hier in Kairo.

Ich erzählte ihm, dass wir nicht nur einen neuen Job bräuchten, sondern auch eine Wohnung.
Er sagte mir zu, sich um alles zu kümmern. In drei Tagen sollte ich ihn gemeinsam mit meinem Mann wieder aufsuchen. Bis dahin hätte er eine akzeptable Wohnung für uns organisiert. Glücklich und zufrieden machte ich mich auf den Weg zurück in`s GRESHAM.
Bert freute sich sehr. Seine Lage wurde immer prekärer. Er lief nun richtig Spießruten.
Kam er von der Arbeit, so saß er auf dem Bett und weinte.
Nun kann man ja sagen, was für ein Mann?
Aber egal ob Frau oder Mann. Nicht jeder Mann muss stark sein und nicht jede Frau schwach.


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26. Apr 2010, 19:36

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Das spielt sich ja alles ab wie in einem Krimmi. Sag mal kannst du auch die H-Laute auf arabisch
richtig aussprechen???

Und was mich noch interessiert. Hast du in dieser Zeit auch Kontakt zu deinen Kindern gehalten oder warst du ganz in der arabischen Welt eingetaucht. Ich meine, ich als Glucke kann mir das garnicht vorstellen, sorry :oops:

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26. Apr 2010, 20:05

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Ja, ich kann auch das CHHHHHH sprechen. Ja und zu den Kindern hatte ich auch Kontakt. :nick


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26. Apr 2010, 20:42

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Ich überlegte fieberhaft, wie wir hier ziemlich unbemerkt, das Hotel auf immer verlassen könnten. Aber mir fiel schon etwas ein. Bert ging weiterhin arbeiten. Ich bat ihn, nur noch einige wenige Tage durchzuhalten.
Vier oder fünf Straßenzüge weiter gab es zwei alte Männer, die jeweils einen Gemüse- und Obststand auf einem kleinen Markt betrieben . Bei ihnen hatte ich schon des Öfteren etwas gekauft. Sie kamen aus dem gleichen Gouvernement, in dem ich zuvor einige Jahre verbracht hatte. Sie freuten sich über meinen Dialekt und wir freundeten uns ein wenig miteinander an. Sie würden mir bestimmt helfen.

Wir hatten in der Zwischenzeit eine Menge an Besitz dazu bekommen, die Teppiche, die wir von den Beduinen gekauft hatten, ein paar Haushaltsgeräte hatten sich angesammelt, sowie Geschirr und Bücher die wir in der Schweizer Buchhandlung Lehnert & Landrock erstanden hatten. Dazu kam noch das, was wir sowieso nach Ägypten mitgebracht hatten. Das wollten wir auf keinen Fall im Hotel lassen. Nur wie bekamen wir alle diese Dinge unbemerkt an der Rezeption vorbei?

Am nächsten Morgen, lief ich auf den Markt zu meinen beiden alten Händlern. Sie freuten sich auf ein Pläuschchen mit mir.
Ich erzählte ihnen, dass das Leben in einem Hotel doch sehr unpraktisch sei, ich wäre doch eine Hausfrau und wolle schließlich meinem Mann nach getaner Arbeit auch etwas Vernünftiges auf den Tisch stellen. Das verstanden sie gut. Mit Sicherheit hatten sie noch nie ein Hotel von innen gesehen und fragten mich nun darüber aus.

Ich erzählte ihnen auch, dass wir in eine eigene Wohnung umziehen würden und zwar nach Heliopolis, das war nun ein Bezirk, der wieder ganz woanders in Kairo lag. Ich wollte einfach vermeiden, dass, falls Herr Nabil mal auf unsere Spur geriet, ich die so gut wie möglich verwischt hätte.
Denn wohnen würden wir ja in Nasr City.
Ich erzählte immer weiter. Da es fast unmöglich sei vor dem GRESHAM einen Parkplatz zu bekommen, fragte ich meine beiden Alten, ob es wohl möglich wäre, hier an ihrem Stand vorübergehend ein paar Taschen unserer Habe zu deponieren bis der große Umzug startete.

Damit waren sie einverstanden, nur gingen sie jetzt mit mir zu einem Kollegen, der ein kleines Bügelgeschäft betrieb. Sein Schuppen ließ sich abschließen. Wäre also diebessicher.
Diesem Mann war es eine Ehre einer Ausländerin einen Gefallen zu tun. Ich drückte ihm ein paar LE in die Hand und bedankte mich bei Allen.





Nun ging es los. ich hatte fast schon richtige kriminelle Energie entwickelt, als ich die erste Reisetasche packte, mich an der Rezeption meldete und dem Mann sagte, dass ich jetzt ins Goethe Institut ginge um Bücher umzutauschen, das war keinesfalls verdächtig, das machte ich sowieso ein paar mal in der Woche. Auf dem Markt angekommen, lagerte ich unsere Sachen in Obst - und Gemüsekisten und lief mit der leeren Tasche wieder zurück. Am Nachmittag machte ich das Ganze noch mal, nur erzählte ich dem Portier jetzt, dass ich in das NILE HILTON zum Schwimmen ginge. War auch kein Problem. Ausländer durften den Swimmingpool des Hotels für einen Obolus mit benutzen auch wenn sie keine Hotelgäste waren.
Das machte ich nun die nächsten Zeit zweimal täglich. Da an der Rezeption sich die Leute in drei Schichten aufteilten, achtete ich natürlich darauf, dass ich nicht doppelt an einem Kollegen vorbeikam.

In der Zwischenzeit hatte Herr Fuad eine möblierte Wohnung für uns gefunden. Ausländer hatten kein Recht eine freie Wohnung zu mieten. Das stand nur Ägyptern zu. In einer nicht möblierten Wohnung hatte man nämlich das Recht auf Lebenszeit zu bleiben. War also unkündbar. Nicht mal Eigenbedarf konnte der Vermieter anmelden.
Unsere künftige Wohnung lag in einer Siedlung für höhere Offiziere. Die Miete sollte 450 LE betragen. Das war eine Menge Geld, aber Bert würde ja genug verdienen.


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26. Apr 2010, 21:22

 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Hilfe, ist das alles kompliziert gewesen! :( Was wäre denn passiert, wenn ihr einfach so ausgezogen wärt?


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26. Apr 2010, 22:28

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Ich wundere mich wie bei allem dem Du das Leben in Aegypten dem Deutschlands vorziehen konntest.


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26. Apr 2010, 23:08

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Ich weiß nicht Evanesca was dann passiert wäre. Und das wollte ich auch nicht ausprobieren. Höchstwahrscheinlich, hätte man Nabil herbeigerufen und dann hätten wir vielleicht auf unsere Sachen verzichten müssen.
Und ich hätte mich mit diesem Despoten herumzanken müssen. Und ich streite mich sehr ungern.

@ Ruven. Ich kann das schlecht beantworten. Ich weiß das nicht so genau. Vielleicht weil ich immer in allem was positives gesehen habe. Niederlagen zählen nicht. Sie spornen mich dazu an, wieder was anderes anzufangen. Ich bin ein Stehaufmännchen.
Was ich nur nicht bedacht hatte, war der gute Bertl. Ich hab gedacht, dass jemand der per Expedientenausweis die ganze arabische Welt bereist hat, mit schwierigen Situationen umgehen kann.
Das war ein Irrtum. Ich fühlte mich für ihn verantwortlich. Schliesslich hatte ich ihn von seinen Schnapsflaschen aus Deutschland hierher gelotst.


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26. Apr 2010, 23:13

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Endlich hatten wir es geschafft, all unser Hab und Gut war in der neuen Wohnung. Unser neues Zuhause, hatte einen Salon mit Sitzgruppe und einem Fernsehgerät. Zwei Schlafzimmer, einer kleinen Küche und einem Bad mit Dusche. Außerdem zwei Balkons.
Es war nicht gerade luxuriös aber es war alles vorhanden was man so brauchte. Das erste was
wir an diesem Abend machten, wir gingen einkaufen.

Im nahe gelegenen Supermarkt, der vielleicht 6qm maß, erstanden wir Eier und eine Flasche Coca Cola. Beim Gemüsehändler kauften wir Tomaten, und Petersilie. Fladenbrot hatte der Bäcker auch noch anzubieten. So kehrten wir glücklich in unser Heim zurück und machten uns ein zünftiges Rührei. Das war so ein unbeschreibliches Gefühl. Endlich mal keine Nudeln in Tomatensauce und keine Hackbällchen mit Reis.
Wir sahen uns noch im Fernsehen die ägyptischen Nachrichten an und konnten danach endlich mal sorgenfrei zu Bett gehen. Am nächsten Morgen zogen wir ausgeruht zum Reisebüro von Herrn Fuad und Bert begann mit seiner Arbeit.

Der neue Chef hatte sich das so gedacht, dass Bert für die Miete arbeiten ging, also keinen Lohn weiter bekam und ich musste jetzt für unseren Lebensunterhalt sorgen.
Da hatte ich mir auch schon etwas überlegt.
Ich bat Herrn Fuad für mich in der größten ägyptischen Tageszeitung, der AL AHRAM eine Anzeige zu schalten. Ich wollte ägyptischen Kindern die hier eine der beiden deutschen Schulen besuchten Nachhilfeunterricht erteilen.

Ich kannte mich in Kairo sehr gut aus. Mein ehemaliger ägyptischer Ehemann fuhr mal vorübergehend Taxi in der Millionenstadt. Da war ich oft mitgefahren. So dachte ich mir, dass wenn sich Interessenten melden würden, ich die Kinder gern selbst zu Hause aufsuchen würde.
Voraussetzung war, es war eine Frau im Haus. Das würde ich beim Anruf der Leute ja herausfinden. Ich hatte mir vorgenommen, für die Stunde 20LE zu nehmen. Das war nicht billig.

Aber Leute der unteren Volksschichten schickten ihre Kinder auch nicht auf eine ausländische Schule. Ich musste ja eventuell nicht nur mit dem Bus oder mit der Straßenbahn die Kinder aufsuchen, sondern gelegentlich eventuell auch mal mit dem Taxi fahren. Das war sowieso stets eine Aktion, weil die Fahrer mich nach Möglichkeit immer am liebsten den Touristenbonus bezahlen ließen. Ich gab ihnen stets nur das was die Einheimischen auch bezahlten. Aber die endlosen Diskussionen blieben mir nie erspart.


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26. Apr 2010, 23:17

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Jeden morgen begleitete ich nun Bert in sein Reisebüro. Ich musste ja da sein, falls irgendjemand auf meine Anzeige hin antwortete. Wir hatten kein Telefon in unserer Wohnung. Manche Leute warteten nach Antragstellung noch 15 Jahre auf ihren Anschluss. Aber da man von allen kleinen Läden aus telefonieren konnte, war das auch weiter kein Problem.
Ich sah Bert bei seiner Arbeit zu. Er erarbeite mit dem Sohn Herrn Fuads gemeinsam eine Wüstentour über den Sinai.

Die sollte dann deutschen Touristen in kleinen Gruppen angeboten werden. Der Sohn sprach sehr gut deutsch. Er war in die deutsche Schule hier in Kairo gegangen. Das erleichterte meinem Mann die Kommunikation beträchtlich. Bert baute Verbindungen zu deutschen Reisebüros auf, die er noch aus den alten Berliner Zeiten hatte.
Faxe ins Ausland zu schicken war ziemlich teuer und Telefonate ebenfalls. Und so musste sein Chef eine Menge Geld investieren, bis da eine erste Resonanz kam.
Ich wartete nicht lange. Gleich am ersten Morgen nach Erscheinen der AL AHRAM meldete sich jemand auf meine Anzeige.
Es war ein Mann. Ich fragte ihn gleich nach seinen Kindern aber er meinte er hätte keine Kinder die er unterrichten lassen wolle, sondern er besäße eine Import/ Export- Firma, die viel mit dem Ausland zu tun habe und ganz besonders mit Deutschland und Österreich. Es würden jede Menge Gespräche anfallen.

Da wäre es sehr schön, wenn einige seiner Mitarbeiter der deutschen Sprache mächtig wären.
Ich überlegte nur ganz kurz, ob ich mich darauf einlassen sollte aber dann machte ich mit Herrn George einen Termin aus. Am nächsten Vormittag machte ich mich mit der Straßenbahn auf den Weg in Richtung Norden. Ich hatte auch kein ungutes Gefühl. Auch wenn sich nun ein Mann auf meine Anzeige hin gemeldet hatte. Wenn es sich um eine Firma handelte, dann würden dort ja ein paar Angestellte auftauchen.

Schon vor dem Haus herrschte reges Treiben. Hier wurde mit Gewürzen gehandelt. Der Duft war mir schon in die Nase gestiegen, als ich die Straßenbahn verlassen hatte. Überall versperrten Kisten und Kartons den Hauseingang und die Flure. Ich fragte nach dem Chef und wurde in die zweite Etage geleitet.
Eine Dame mit etwas säuerlicher Miene, bat mich zu warten. Sie würde ihren Chef holen. Das war übrigens auch ein christlicher Betrieb. Genau wie der von Herrn Nabil. Man sah es an den Bildern des Heiligen Georgs der hier sehr verehrt wurde, und man merkte es natürlich auch an den Namen.

Herr George kam auch gleich, begutachtete mich und befand mich höchstwahrscheinlich für geeignet. Er selbst war ein unscheinbarer, kleiner dicker Mann mit einer Halbglatze in einem von den Ägyptern so heiß geliebten Nadelstreifenanzug und einer dicken Hornbrille auf der Nase. Er bat mich in sein Büro, und erklärte mir, bei meinem Anblick habe er sich schlagartig überlegt, dass mit dem Nachhilfe bzw. Deutsch - Unterricht sein zu lassen.
Er hätte etwas Anderes mit mir vor. Aber erst wolle er mir mal die Firma zeigen. Das Haus hatte vier Stockwerke und in allen befanden sich Lagerräume und Büros.

Überall standen Computer. Zwar der allerersten Generation aber er war kommunikativ auf dem neuesten Stand. Erst testete er mein englisch um in wahre Begeisterungsstürme auszubrechen, als ich ihm erklärte, dass ich auch arabisch spräche. Nun kam er zur Sache. Er hätte sich überlegt, mich hier sozusagen als vertretende Geschäftsleitung einzustellen.

Er wäre viel im Ausland und da bräuchte er jemanden, der alles am Laufen hielt. Ich wagte kurz mal zu erwähnen, dass ich doch von dieser Arbeit hier überhaupt keine Ahnung hätte und ich bestimmt für die Angestellten keine Person wäre, die sie sich so einfach vor die Nase setzen ließen. Daraufhin antwortete er mir, er hätte einen pensionierten General in seinem Büro zu sitzen, der würde die Leute schon bei der Stange halten. Ich war platt.

Ich sagte ihm, ich würde mir das überlegen und mich morgen telefonisch bei ihm melden.
Ich saß mit Bert gerade beim Abendessen im Salon. Da klingelte es.
Wer stand vor der Tür? Herr George mit einer Riesenbonboniere in der Hand. Sie war so groß, dass sie ihn fast verdeckte.


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26. Apr 2010, 23:26

 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Nachhilfe gesucht und einen Bürojob gefunden? :) Andererseits weiß ich nicht, ob ich an deiner Stelle noch einmal in so einen Betrieb reingegangen wäre, obwohl mir der Herr George doch wesentlich sympathischer ist als Herr Nabil :)


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27. Apr 2010, 08:47

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Da es ein ziemlich großer Betrieb war, konnte mir da nicht viel passieren.
Ich war neugierig und das Geld brauchte ich auch.
Da es keine Verträge mit Kündigungsfristen gab, konnte ich doch jeden Tag aufhören zu arbeiten.


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27. Apr 2010, 09:25

 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Ach so, das ist auch irgendwie praktisch :)


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27. Apr 2010, 11:37

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 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Herr George wollte mir mit seinem Riesen - Konfektkasten die Entscheidung für den Eintritt in seine Firma erleichtern.
Ich machte mich am nächsten Morgen auf den Weg in diesen Betrieb. Er stellte mir die meisten seiner Angestellten vor und bis auf dass die Arbeiter hier nicht geschlagen wurde, war der Führungsstil nicht viel anders. Gebrüllt wurde auch hier.

Nach einer Stunde eröffnete er mir, dass er mich gern auf seine Dienstreisen als Sekretärin ins Arabische Ausland mitnehmen würde.
Nach zwei Tagen nahm er mich mit in einen anderen Bezirk. Wollte mich dort mit einem Geschäftspartner bekannt machen. In den Räumen eines Hochhauses eröffnete er mir dann, dass es sich hier um eine private Zweitwohnung handelte, von der seine Gattin nichts wusste.
Ich verhielt mich nun sehr diplomatisch. Wollte nur heil hier aus der Situation kommen.

Er fragte mich ob ich mir denn vorstellen könnte zeitweise hier mit ihm ein paar Stunden zu verbringen. Auf meine Frage, ob er denn nicht wüsste, dass ich verheiratet sei, antwortete er, er wüsste ganz genau, dass die Europäerinnen das nicht so eng sehen würden.
Und er hätte noch einen weiteren Betrieb in Alexandria, dort ließe sich bestimmt noch ein Job für meinen Mann finden. Ich war sprachlos, reagierte aber nicht, sondern meinte nur, dass ich jetzt erst einmal nach Hause müsste.
Wir würden uns ja am nächsten Morgen wieder sehen und könnten alles Weitere besprechen. Ich war nur froh, dass er mir nicht näher gekommen war.
Ich setzte natürlich nie wieder einen Fuß über die Matte dieser Firma.
Er meldete sich glücklicherweise auch nicht mehr.



Eines Tages, als ich gerade diesen Bombenjob bei dem merkwürdigen Gewürzhändler losgeworden war, meldete sich ein Freund bei Herrn Fuad, der dringend einen Dolmetscher brauchte.
Er war Ingenieur und arbeitete in einer Stadt die 10. Ramadan hieß.Ca.50 Kilometer vor Kairo lag und förmlich aus dem Boden der Wüste gestampft war.
Kein Baum, kein Strauch. Nur Wüstensand.

Dort war binnen kurzer Zeit ein Industrieviertel mit mehreren Fabriken und Wohnkomplexen entstanden. Dieser Ingenieur, gehörte zu einer Fabrik, die Kochherde herstellte. Die Firma war von der damaligen Tschechoslowakei aufgebaut worden und die Wartung der Maschinen oblag der DDR.
Als es mit dem Sozialismus in Osteuropa zu Ende ging, hatte sich der Betrieb in Tschechien aufgelöst. Die Firma in Ostdeutschland war privatisiert worden, betreute aber weiterhin die Geräte.

Einmal im Jahr erschien ein Monteur aus Magdeburg und reparierte oder erneuerte Teile, die wichtig waren zur Herstellung der Küchenherde.
Leider konnte der kein englisch und in der Firma verstand natürlich auch niemand deutsch.
Also hatte man ein Problem mit der Verständigung was die Arbeitsanwendungen betraf.
Alles musste aufgezeichnet werden und an Hand der Bilder, versuchte man sich zu verständigen.
Herr Fuad hatte seinem Freund von mir erzählt und der war nun hellauf begeistert, dass er jemanden für die Übersetzung gefunden hatte.

Ich war davon gar nicht so angetan, denn ich verstand nichts von Fachenglisch.
Aber dieser Mann meinte es wäre besser mit mir zu arbeiten als niemanden zu haben.
Ich würde gutes Geld verdienen und außerdem an den Wochenenden den deutschen Monteur kulturell zu betreuen haben.
Ich könne auch meinen Mann mitnehmen.
Also sagte ich mit etwas Bangen zu, in den nächsten 14 Tagen in dieser Trabantenstadt zu arbeiten.

Ich sollte nun jeden Morgen von einer Limousine abgeholt und zum Sonesta - Hotel gefahren werden.
Dort würde dann der Deutsche zusteigen und wir würden uns gemeinsam auf den Weg machen. Ich sagte ihm gleich am ersten Morgen, dass ich zwar recht gut in englischer Konversation wäre aber bezweifelte, dass ich ihm in seinem Job eine große Unterstützung wäre.

Als wir dort ankamen und ich aus dem Auto stieg, geriet alles in helle Aufregung. Eine Frau war dort noch nie erschienen und eine Europäerin überhaupt nicht.
Sie verschwanden alle in Nullkommanullnichts, denn sie waren bei der Hitze, wir hatten um die 40° C. es war August, alle in kurze Unterhosen gekleidet.

Ja, was nun? Der Ingenieur entschuldigte sich. Und sagte seinen Leuten, dass sie sich am nächsten Tag vielleicht lange Hosen anziehen sollten. Und der erste Arbeitstag verlief nun für uns ohne Arbeit.
Wir besahen uns den Betrieb, und tranken pausenlos Tee und Cola. Die Herde waren wunderschön.
Mit der Möglichkeit von Gas auf Strom umzuwechseln, waren sie riesengroß und recht luxuriös.
Preislich für mich damals unerschwinglich. Aber der Ingenieur machte mir ein tolles Angebot.
Sollte ich mal einen Herd brauchen, so würde ich ihn zum halben Preis bekommen.

Am nächsten Tag begann der Monteur dann mit seiner Arbeit und es ging besser als ich dachte. Ich kam sprachlich mit dem arabischen besser hin. Zumal der Ingenieur meist nicht zugegen war.
Da nutzte das englisch auch nichts. Abends waren wir fix und fertig.
Den ganzen Tag in der Hitze zu stehen, ohne sich einmal hinsetzen zu können und dazu noch ganz konzentriert zuhören zu müssen, das war schon sehr anstrengend.

Der Deutsche fiel jeden Abend in sein Hotelbett und schaffte es kaum noch etwas zu essen. Denn die Klimaumstellung machte ihm schwer zu schaffen.
Aber am Wochenende, er arbeitete nach deutschem System fünf Tage, waren wir mit Nilbooten unterwegs, ritten Kamel an den Pyramiden oder saßen in schönen Gartenrestaurants und Hausbooten am Nil.
Diese vierzehn Tage hatten sich für mich finanziell gelohnt.
Ich verdiente jeden Tag an die 100LE.


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27. Apr 2010, 11:54

 Re: Noch mehr Wüstensand/ Diesmal in Kairo und am Roten Meer
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Dieses amouröse Angebot von dem Herrn George war aber nun wirklich unverschämt. :mrgreen:
Und du hast dich tapfer verhalten. :thumbsup

Der Job als Dolmetscherin in der Wüstenstadt war sicher sehr anstrengend, aber auch toll!


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