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Wie war die DDR wirklich?

Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 252 Beiträge ] 

1. Jul 2010, 14:25

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 Wie war die DDR wirklich?
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Wie war die DDR wirklich? :weißnix :denk

Dieses Thema taucht immer wieder in allen möglichen Threads hier auf.

Nun möchte ich einmal mit diesem Thread eine Plattform für solche Diskussionen schaffen.

Ein Bitte zuvor:

Möglichst nur in der Sache argumentieren, und nicht zur Person.

Ich habe das Zutrauen, dass in unserem Forum ein solcher Stil möglich ist - der in anderen Foren nicht möglich zu sein scheint.

Nun: Ring frei! Und fair bleiben! :wiwi

Ich werde mich später gerne auch noch zur Sache äußern. :nick

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Gnädigster und durchlauchtigster aller Lords der Highlands and Islands, Bezwinger des Loch-Ness-Monsters, Freund der Stewarts, Herrscher über Caithness, Orkney and Shetland, Fürst der Fair Isle und der nördlichen Nordsee, Lord of Inverness, gefürsteter Herzog von Drumnadrochit, Blairgowrie and Dunkeld

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1. Jul 2010, 14:37

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Hallo Dundee,

die Idee ist nicht schlecht. Ich persönlich finde es schwer, jetzt auf Anhieb was erzählen zu sollen. Meistens ergeben sich solche Diskussionen ja aus einem Gespräch heraus. Oder aus einer Deiner Umfragen (z. B. Jugendweihe oder Konfirmation).

Lass uns doch diesen Thread beibehalten und wenn sich irgendwo im Forum eine Diskussion zu dem Thema abzeichnet, kann die hierher verschoben werden.

Wenn mir bei Gelegenheit was einfällt, werde ich das aber auch sofort hier drin posten.

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Lieben Gruß vom Eichhörnchen

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1. Jul 2010, 14:41

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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PS.

im privaten Bereich bringe ich auch weiterhin Artikel aus der DDR-Karten-Sammlung. Da darf auch diskutiert werden.
Ich dachte, ich warte immer ein paar Tage, ob sich der ein oder andere äußern möchte, bevor ich das nächste Thema bringe.

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Lieben Gruß vom Eichhörnchen

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1. Jul 2010, 15:26

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Eichhörnchen hat geschrieben:
Wenn mir bei Gelegenheit was einfällt, werde ich das aber auch sofort hier drin posten.


Eben! Mache-mer's esóooo! :nick

Das Thema wird aktuell bleiben. :)

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2. Jul 2010, 12:22

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Wie die DDR wirklich war?

Für die meisten Menschen nicht weniger oder mehr lebenswert als jedes andere Land auch.

Die DDR war kein Extrem, wie es viele hier im Westen noch denken. Sie hatte ihre deutlichen Schwächen (Menschenrechtsverletzungen, Planwirtschaft), aber auch sehr viele Stärken (Bildungssystem, eine meistens gemäßigte Ideologie als Halt für die Menschen, weniger soziale Ungerechtigkeit, Frauengleichstellung usw).

PS: Ich bin froh, daß Gauck nicht Bundespräsident geworden ist. Er hätte einen Großteil der DDR-Bürger nicht repräsentiert.


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2. Jul 2010, 12:38

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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An dieser Stelle möchte ich mal auf ein eher harmloses Missverständnis der sprachlichen Art zu sprechen kommen. :nick

Hier gibt es auch einen eignen Thread dazu:

umfragen/dreiviertel-zwei-oder-viertel-vor-zwei-t3381.html

Wie hat man in der DDR die Uhrzeit benannt?

Am Beispiel von 13 Uhr 45:

Dreiviertel zwei, und auch viertel vor zwei.

Und auch im Westen gibt es diese zweierlei Art der Zeitangabe.

Doch sowohl im Osten wie im Westen gab es Menschen, die glaubten, im jeweils anderen Deutschland sei das anders, und man könne sich nicht verstehen.

Ge-eint im Missverständnis. :)

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2. Jul 2010, 12:40

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Tatsächlich wachsen meine großen Kinder in dieser Hinsicht zweisprachig auf... :mrgreen:

Der Kleine lernt in Bayern wieder *dreiviertel zwei*.


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2. Jul 2010, 14:11

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Inkonsequent wie ich bin, hat die Neugierde mal wieder gesiegt. Da dieser Thread unverdächtigt von einem Wessi eröffnet wurde, wage ich mal davon auszugehen, dass unsere subjektiven,aber auch objektiven Meinungen es wert sind, wenigstens darüber nachzudenken und nicht wie bißher einfach zu ignorieren. "Ihr aus dem Tal der Ahnungslosen könnt das gar nicht wissen, unsere Medien haben ausführlich berichtet", kann ich nicht akzeptieren. Das war jetzt kein Vorwurf hier ans Forum, sondern eine zwanzigjährige Lebenserfahrung.
Damit ich nicht für eine "rote Socke" gehalten werde, muss ich ich wohl doch etwas mehr über meine Person preisgeben. Ich wollte die DDR keinesfalls beseitigen, aber verbessern, Kritik konnte ich durchaus anbringen, man musste nur die Grenze kennen. Bei "Grundsatzfragen" kam man schnell in den Vedacht einer "RIAS-Ente" aufgesessen zu sein und westliche Propaganda zu verbreiten. Kurz und gut, so handelte ich mir auch ein Jahr Knast ohne Bewährung wegen Staatsverleumdung ein. Ich war nie in einer Partei und gehöre keiner Religion an. Natürlich war die Strafe unangemessen, Richter und Staatsanwalt verbohrt, es dauerte schon einige Jahre, bis meine Haßgefühle verebbten. Ein Jahr meines Lebens wurden mir gestohlen, doch fühle ich mich nicht um mein ganzes Leben betrogen, ich bedauere es nicht, den Hauptteil meines Lebens in der DDR verbracht zu haben, ich hatte nie das Bedürfnis in den Westen zu gehen, die Gelegenhei hätte ich gehabt, denn ich bin acht Jahre zur See gefahren.
Ich bin stolzer Vater von drei Töchtern, die ich, da bin ich mir sicher, im Westen nicht "geleistet" hätte. Aus Überzeugung behaupte ich, dass die DDR ein kinderfreundliches Land war, jetzt empfinde ich es fast gegenteilig, wo solche Sprüche auftauchen wie "habt ihr keine anderen Hobbys als Kinder zu kriegen?" Das war nur ein simples Beispiel, es sitzt ja noch viel tiefer. Es ist hier nicht das Anliegen, die BRD zu kritisieren, doch der direkte Vergleich macht vieles anschaulicher.
Schlimm ist nur die Unbehaglichkeit, die mich auch jetzt beschleicht, dass ich mich zu lobend über die DDR äußern könnte, denn wer einen "Unrechtstaat" mit aufgebaut hat, für den kann und darf man kein Verständnis aufbringen. Hoffentlich sind die Floskeln des kalten Krieges kein Gesetz mehr.
Gruß
Schakal


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2. Jul 2010, 16:20

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Schakal hat geschrieben:
....

Wir haben ne Menge gemeinsam... :nick


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2. Jul 2010, 16:43

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Da ich die DDR nur aus den Medien (Film, Literatur, Radio, Fernsehen) kenne, kann ich mir kein Urteil erlauben.
Aber ich hatte oft das Gefühl, daß die Politiker dort sehr verunsichert waren.
Davon zeugen doch auch die vielen Prozesse gegen Abweichler, Dissidenten, Verräter, Ausreisewillige - der Bau der Mauer war in dieser Hinsicht ja auch ein starkes Signal.
Ich könnte mir auch vorstellen, daß es wie hier, eine große Menge "Ohnemichels" oder Uninteressierte gab.
Daß die Opposition im Laufe vor allem der letzten Jahre sehr viel bewirkt hat, wissen wir.
Das spricht doch für einen Teil der DDR-Bevölkerung.
Irgendwie habe ich auch das Gefühl, daß die DDR-Bürger nicht so schrecklich Luxus-orientiert waren wie die Westdeutschen. Irgendwie genügsamer. Oder war das der Not gehorchend?


cyparis


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2. Jul 2010, 16:47

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Ansichten von Leuten aus der damaligen DDR zu lesen, finde ich sehr interessant und wuerde gerne mehr erfahren. Tatsachen aus eigener Erfahrung zu berichten ist ja nicht gerade Propaganda.
Unter anderem: Wie kam man im allgemeinen wirtschaftlich zurecht? Als Aussenstehenden scheint es mir, dass alles grundsaetzliche, wie Nahrung, Wohnung, Erziehung (wenn auch politisch angemalt), Krankenbehandlung, Urlaubsreisen u.a. fuer jeden leicht zugaenglich war. Nur mit Luxusguetern schien es zu hapern.
Ist es wahr, dass jedem nachspioniert wurde?
Hatte ich den richtigen Eindruck von der DDR?


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2. Jul 2010, 16:59

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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ruven hat geschrieben:
Ansichten von Leuten aus der damaligen DDR zu lesen, finde ich sehr interessant und wuerde gerne mehr erfahren. Tatsachen aus eigener Erfahrung zu berichten ist ja nicht gerade Propaganda.

Ich finde es angenehm, Leute zu treffen, die nicht schon alles über die DDR wissen, obwohl sie nie dort waren... leider ist das eine Spezies Wessi, die sehr verbreitet ist. Auch heute noch, 20 Jahre danach.

Zitat:
Unter anderem: Wie kam man im allgemeinen wirtschaftlich zurecht? Als Aussenstehenden scheint es mir, dass alles grundsaetzliche, wie Nahrung, Wohnung, Erziehung (wenn auch politisch angemalt), Krankenbehandlung, Urlaubsreisen u.a. fuer jeden leicht zugaenglich war. Nur mit Luxusguetern schien es zu hapern.

So ist es. Die grundlegenden Dinge zum Leben waren für jeden garantiert. Man mußte sich keine Sorgen um den Job, die Kinderbetreuung usw machen.

Und die Erziehung, die dort politisch angemalt war, ist hier sehr oft religiös angemalt. Man kommt in vielen Gebieten ähnlich schwer davon weg bzw wird genauso ausgegrenzt und mitVorsicht genossen wir ein Abweichler früher - nur daß es hier nicht von Staatswegen organisiert ist.

Zitat:
Ist es wahr, dass jedem nachspioniert wurde?

Nein.
Mag sein, daß wir nichts davon wissen, aber mir wurde nie nachspioniert, und ich habe sogar an einer Eliteschule, wo ich war, Demokratie zu Ungunsten der Partei erlebt. Das gab es auch...;_)

Zitat:
Hatte ich den richtigen Eindruck von der DDR?

Das weiß ich nicht... :wink:


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2. Jul 2010, 17:03

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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cyparis hat geschrieben:
Da ich die DDR nur aus den Medien (Film, Literatur, Radio, Fernsehen) kenne, kann ich mir kein Urteil erlauben.
Aber ich hatte oft das Gefühl, daß die Politiker dort sehr verunsichert waren.
Davon zeugen doch auch die vielen Prozesse gegen Abweichler, Dissidenten, Verräter, Ausreisewillige - der Bau der Mauer war in dieser Hinsicht ja auch ein starkes Signal.

Wieso? Die haben ihren Staat abgegrenzt. Klare Ansage. Unsicherheit sieht anders aus. Ich sehe es als einen klaren Akt, der die Abwanderung gerade der Intelligenz stoppen soltle. Menschenrechtlich neben der Kappe, aber politisch nachvollziehbar.

Zitat:
Ich könnte mir auch vorstellen, daß es wie hier, eine große Menge "Ohnemichels" oder Uninteressierte gab.

Klar.

Zitat:
Daß die Opposition im Laufe vor allem der letzten Jahre sehr viel bewirkt hat, wissen wir.
Das spricht doch für einen Teil der DDR-Bevölkerung.
Irgendwie habe ich auch das Gefühl, daß die DDR-Bürger nicht so schrecklich Luxus-orientiert waren wie die Westdeutschen. Irgendwie genügsamer. Oder war das der Not gehorchend?

Man wächst einfach in eine andere Denke rein. Natürlich ist es der Not gehorchend, aber da es jeden traf, war das nicht schlimm.

Unzufrieden machen erst die großen Untershciede, die es hier gibt. Von daher war die Gleicher-Verteilung auch für eine größere Zufriedenheit verantwortlich, auch wenn das Niveau sehr viel geringer war.


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2. Jul 2010, 17:18

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Dann habe ich die "Befindlichkeit" der Politiker falsch eingeschätzt, was ja nicht verwunderlich ist.
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren! :wiwi


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2. Jul 2010, 19:25

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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cyparis hat geschrieben:
Dann habe ich die "Befindlichkeit" der Politiker falsch eingeschätzt, was ja nicht verwunderlich ist.
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren! :wiwi

Ich bin ja auch nicht sicher, wollte nur sagen: ich würde solche Methoden nicht als Unsicherheit einstufen.
KANN auch so gewesen sein, ich selber halte es aber für eher unwahrscheinlich.


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2. Jul 2010, 22:26

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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ruven hat geschrieben:
Ansichten von Leuten aus der damaligen DDR zu lesen, finde ich sehr interessant und wuerde gerne mehr erfahren. Tatsachen aus eigener Erfahrung zu berichten ist ja nicht gerade Propaganda.
Unter anderem: Wie kam man im allgemeinen wirtschaftlich zurecht? Als Aussenstehenden scheint es mir, dass alles grundsaetzliche, wie Nahrung, Wohnung, Erziehung (wenn auch politisch angemalt), Krankenbehandlung, Urlaubsreisen u.a. fuer jeden leicht zugaenglich war. Nur mit Luxusguetern schien es zu hapern.
Ist es wahr, dass jedem nachspioniert wurde?
Hatte ich den richtigen Eindruck von der DDR?


Hallo ruven,

als ich nach der Wende bei meiner letzten Firma gekündigt habe, da wohnte ich noch in Rostock, erhielt ich von meinem Arbeitgeber meine Personalakte. Das war vielleicht spannend kann ich Euch (ich schließe mal alle mit ein, wenn Du einverstanden bist).

Da war alles drin, bis zurück zu meinem Bewerbungsschreiben an meinen Lehrbetrieb. Das begann mit einem "Personalbogen" mit Passbild und Angaben zu mir selbst, meinen Eltern und Geschwistern. Dann mein Bewerbungsschreiben, handschriftlich, auf einem gelochten linierten Blatt mit zwei Bleistifträndern.

Die Rückantwort:
Zitat:
Hierdurch teilen wir Ihnen mit, dass Sie durch die Bewerbungskommission unseres Betriebes für die Aufnahme der Lehre als Facharbeiter für Lagerwirtschaft ab 109.1981 bestätigt wurden. Der Lehrvertrag geht Ihnen in den nächsten Tagen zu. Wir möchten Sie jedoch darauf hinweisen, daß Sie alle Anstrengungen unternehmen müssen, um insbesondere im Fach Mathematik eine bessere Leistung zu erreichen.


Mein Lehrvertrag
Ausbildungsdauer: 2 Jahre

Lehrlingsentgelt
1. Lehrhalbjahr 100 Mark
2. Lehrhalbjahr 110 Mark
3. Lehrhalbjahr 120 Mark
4. Lehrhalbjahr 140 Mark

Geweils die Hälfte davon musste ich zu Hause abgeben.

Urlaub: 24 Tage

(21. 11.1980)

Der Lehrlingsvertrag ist nicht an mich adressiert, sondern an meinen Vater, obwohl der zu der Zeit gar nicht mehr bei uns lebte.

30. 6. 1981
Zitat:
Aufgrund des Ministerratsbeschlusses über die Erhöhung der Lehrlingsentgelte ab 1. 9. 1981 ergibt sich folgende Änderung...


1. Lehrhalbjahr 120 Mark
2. Lehrhalbjahr 130 Mark
3. Lehrhalbjahr 150 Mark
4. Lehrhalbjahr 180 Mark

Gleich nach der Ausbildung (Juli 1983) habe ich einen Arbeitsvertrag bekommen

Gehalt: 420 Mark
Urlaub: 18 Tage

Ab 1985 erhielt ich 570 Mark

Im August 1985 musste mein Arbeitgeber eine "Meinungsäußerung zur Eheschließung" schreiben. Ich war damals mit einem Ausländer zusammen. Wir wollten heiraten und er wollte in der DDR bleiben.
Außer allgemeinen Sachen zu meiner Arbeit stehen dieser Abschluss drin:

Zitat:
Sie gehört zum positiven kern des Arbeitskollektivs. Ihre Einstellung zum Staat ist positiv.


Leider steht kein Adressat auf dem Papier.

Gehalt ab Dezember 1987: 600 Mark

Ab 1988 hatte ich eine Büroanstellung und als für diesen job Ungelernte brauchte ich eine Schulung. Das sah dann bei uns so aus:

Zitat:
Antrag auf Erwachsenenqualifizierung
Wir bitten im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung um Ihre dringende Unterstützung bei der Qualifizierung unserer Kollegin... zum Facharbeiter als Wirtschaftskaufmann, Spezialisierungsrichtung Industrie, ab September 1989.
Die Qualifizierung der Kollegin... erweist sich aus betrieblichen Gründen als dringend erforderlich, um das Aufgabengebiet, für das sie vorgesehen ist, in entsprechend guter Qualität erfüllen zu können. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung


Der Antrag wurde im Mai 1989 abgelehnt, eine Neubewerbung für 1990 war vorgesehen. Diese Qualifizierung habe ich aber nie erhalten. Zwei Schreibmaschinenlehrgände durfte ich noch mitmachen. Blindes Tippen: 151 Anschläge/Minute

So, ich weiß nicht, wieviel hier reinpasst. Geht gleich weiter...

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2. Jul 2010, 22:37

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Der Rest hätte sicher auch noch gepasst.

Oktober 1989 - Eine Gehaltserhöhung

Zitat:
Werte Kollegin
Den 40. Jahrestag unserer Deutschen Demokratischen Republik nehmen wir zum Anlaß, Ihnen für Ihre Aufgabenerfüllung und Einsatzbereitschaft in der ... unseren herzlichsten Dank auszusprechen.
In Anerkennung Ihrer Arbeitsleistung und in Übereinstimmung mit dem staatlichen Lohnfonds sowie dem bestätigten Stellenplan der Genossenschaft zeichnen wir Sie aus mit einer Gehaltserhöhung von 15 Mark. Ihr monatliches Bruttogehalt beträgt mit Wirkung vom 1. Oktober 1989 800 Mark.
Wir verbinden mit dieser Auszeichnung gleichzeitig den Wunsch auf eine weitere gute Zusammenarbeit und hoffen auf Ihre Einsatzbereitschaft bei der Erfüllung der volkswirtschaftlichen Aufgabe unserer Genossenschaft.


Das war mein letztes Stück DDR-Papier

Als nächstes gab es nach Übernahme dieser Genossenschaft von der Firma Siemens im September 1991 einen neuen Arbeitsvertrag.

Da hieß ich dann "Teamassistentin", bekam ein Brutogehalt von 1.400 DM und 20 (ab 1991) 23 Tage Urlaub. Von dem erhöhten Gehalt blieb unterm Strich kaum etwas über, denn zufällig wurde nach jeder Erhöhung, die wir bekamen, damals die Mieten erhöht.

Es folgt noch Teil drei, ich möchte noch einmal auf ruvens Beitrag eingehen...

Ich hoffe, es ist Euch nicht zuviel, aber ich wollte ein bisschen was Echtes bringen.

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2. Jul 2010, 22:54

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 Re: Wie war die DDR wirklich?
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Hatte ich den richtigen Eindruck von der DDR?


Mit meinem Gehalt kam ich gerade so über die Runden. Ich war eine alleinstehende Mutter mit Kind. Ein halbes Jahr nach der Geburt habe ich Babyurlaub bekommen. Dann musste ich ihn in die Kinderkrippe geben. Wäre ich verheiratet, hätte ich auf einen Krippenplatz lange warten müssen. So musste ich aber Geld verdienen und bekam sofort einen.
Noch bevor mein Sohn ein Jahr alt war, bin ich mit ihm von zu hause ausgezogen. Das klappte aber nur, weil meine Mutter die große Wohnung in zwei kleinere getauscht hat. Zusätzlich musste ich 1.200 Mark Genossenschaftsanteile für meine neue Ein-Rum-Wohnung mit Küchenzeile bezahlen. Was ich an Mite bezahlen musste, weiß ich gar nicht mehr genau, ich glaube, bei 35 Mark.

Zitat:
dass alles grundsaetzliche, wie Nahrung, Wohnung, Erziehung (wenn auch politisch angemalt), Krankenbehandlung, Urlaubsreisen u.a. fuer jeden leicht zugaenglich war


Da hast Du recht, ruven. Das war auch alles sehr billig. Ein Brötchen 5 Pfennig, ein halbes Mischbrot (heute Graubrot) 35 oder 39 Pfennig, ein Beutel (Liter) Milch 70 Pfennig. Milchbeute, das war eine Plage. Die waren in den kaufhallen in großen silberfarbenen Alubehältern. Wenn ich dann mit dem Kleinen nach Feierabend erst zum Einkaufen gab, war dieser Behälter meist leer. Die letzten Beutel schwammen dann in Milch. Die Verkäuferinnen hängten schon immer Handtücher bereit. So konnte man die Milchbeuten abtrocknen und schauen, ob er ganz ist. Oftmals tropften die Dinger nämlich. In der Beziehung lob ich mir die heutigen Tetra-packs.
Über meine Krankenversicherung brauchte ich mich auch nicht kümmern. Mit Aufnahme der Lehre war ich automatisch krankenversichert.

Es haperte wohl nicht an Luxusgütern. Man brauchte nur viel länger, bis man sie sich leisten konnte. Durch das kleine Gehalt mussten wir halt lange sparen.

Ob ich beschattet wurde, weiß ich nicht. Ich habe zumindest nicht das Gefühl gehabt. Ich hätte auch nicht gewusst, warum. Ich hatte so ein unscheinbares, stinknormales und seit mein Sohn da war schönes Leben.

So, ich hoffe, ich konnte Euch mit einigen DDR-Eindrücken dienen. Es gibt noch so viel zu erzählen, das kommt mal so nach und nach.

PS. Entschuldigt bitte die Rechtschreibfehler. Ich habe das jetzt nicht alles noch mal durchgelesen :oops:

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2. Jul 2010, 23:28

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MissVerstaendnis hat geschrieben:
Tatsächlich wachsen meine großen Kinder in dieser Hinsicht zweisprachig auf... :mrgreen:

Der Kleine lernt in Bayern wieder *dreiviertel zwei*.


Und hier eine Umfrage zum Thema: :wiwi

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3. Jul 2010, 00:45

 Re: Wie war die DDR wirklich?
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MissVerstaendnis hat geschrieben:

Man wächst einfach in eine andere Denke rein. Natürlich ist es der Not gehorchend, aber da es jeden traf, war das nicht schlimm.

Unzufrieden machen erst die großen Untershciede, die es hier gibt. Von daher war die Gleicher-Verteilung auch für eine größere Zufriedenheit verantwortlich, auch wenn das Niveau sehr viel geringer war.


Das sind ganz entscheidende Fakten, genau so sehe ich das auch. Not ist aber wohl nicht das richtige Wort, man könnte auch "Umstände" sagen. Wer auf Luxusgüter lange sparen musste, litt ja keine Not, er lebte zwangsläufig nur bescheidener. Auf meinen ersten Trabbi musste ich acht jahre warten, auf den zweiten schon zwölf, das war dann aber auch schon eine Luxusausführung :mrgreen: Einen Wartburg konnte ich mir nicht leisten, das war mir immer klar, darum war ich aber nicht unzufrieden oder neidisch, denn ich wusste, dass die fleißiger als ich waren, die ein größeres Auto fuhren, was heute selten der Fall ist. Im direkten Vergleich war das technische Niveau gegenüber der BRD natürlich gravierend, was aber auch nicht zu hoch angebunden werden darf. Ich staune immer wieder, dass meine DDR-Glühlampen von NARVA immer noch nicht den Geist aufgegeben haben, auch die Leuchtstoffröhren nicht, wogegen die "Westlampen" höchstens zwei Jahre machen. Mein Westkumpel, den ich schon aus der Kindheit kenne und ständigen Kontakt hatte (der sich komischerweise nach der Wende wesentlich reduzierte), hatte dafür eine typisch westliche Philosophie. "Was lange hält, das bringt kein Geld", "so werden neue Arbeitsplätze geschaffen". Ich verstehe diese Denkweise durchaus, doch werde ich nie Verständnis dafür aufbringen. In der DDR lebte man noch nach der Devise: "Die Axt im Hause erspart den Zimmermann", es gab auch noch "Ersatzteile", was jetzt wohl auch nur noch ein DDR-Begriff ist. Jetzt gehört nämlich ein Ersatzteil zu den Luxusartikeln, ein neues Gerät ist billiger als ein Ersatzteil. Mißwirtschaft hin oder her, gesund ist die Überflussgesellschaft auch nicht. Na gut, ich hole schon wieder zu weit aus.
Ich hatte in den 80er Jahren auch schon einen C64, wenn den noch einer kennt? Den habe ich aus nostolgischen Gründen immer noch. Der kostete damals im Westen 280 DM, ich musste 2800 MDM (Ostmark) 1:10 illegal tauschen, um mir das Ding von meinem Kumpel mitbringen lassen zu können. Dafür musste ich auch einen Haufen Überstunden machen. Ich will damit nur sagen, dass es immer und überall Möglichkeiten gibt. "In der Entbehrung liegt der Genuß", ich hatte früher eine viel engere Bindung zu den Dingen, da wurde alles ausgereizt. Was ich mir heute schon alles für einen unnötigen und teuren Mist gekauft habe. In den letzten zehn Jahren waren es mindesten fünf High End Grafikkarten für ca. 500 Euro das Stück, Mainboards und Prozessoren ebenso. Eigentlich bin ich ein Opfer der kapitalistischen Verführungskunst geworden :) , da bin ich wenigstens schon in der Marktwirtschaft angekommen. Fazit: der Mensch richtet sich wissentlich zu Grunde, wenn er die Möglichkeit dazu hat.
Beide Systeme sind grundverschieden, man kann sie aber nicht grundsätzlich in gut und böse unterteilen. "Menschenrechte", ein großes Wort, wo werden die heute nicht verletzt? Soll aber nicht heißen, dass ich das als normal empfinde. Das Staatsinteresse diktiert aber die Mittel, oder auch der Kontrahend. Wie definiert man einen "Unrechtstaat"?

Schakal


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